Archiv für Januar 2012

Clash of Civilizations im Melting-Pot

Seit nun zwei Wochen ist der Kampf der Kulturen wieder zurück in New York. Das letzte Mal ging es um eine Moschee in der Nähe von Ground Zero, wogegen sich der Zorn einiger Opferfamilien und besonders konservativer Kritiker am Islam richtete. Wiederum einen Anlass für Muslime, Kritik am Umgang mit ihnen zu üben, bot die Überwachung eines Großteils der New Yorker Moscheen durch die New Yorker Polizei (NYPD) seit dem 11. September 2001. Offensichtlich wurden flächendeckend muslimische Gemeinden überwacht und auch solche, die offen mit dem FBI und den Behörden zusammenarbeiteten. Das führte Ende letzten Jahres dazu, dass einige Imame und liberale christliche und jüdische Geistliche das traditionelle interreligiöse Frühstück, das von Bürgermeister Bloomberg veranstaltet wird, boykottierten. Bloomberg zeigte sich davon aber nicht beeindruckt, er meinte, dass die Boykotteure ein Chance auf ein großartiges Frühstück verpasst hätten. Wie sich zeigte, standen die Boykotteure auch auf eher verlorenem Posten, denn an dem Frühstück nahmen 52 Geistliche mehr teil als im Jahr zuvor. (mehr…)

Unberechenbare Demokratie

Demokratie ist einfach unberechenbar. Da schien alles schon entschieden und dann sowas. Vor zwei Wochen lag Romney in Umfragen in South Carolina bei knapp 37% und Gingrich bei circa 23%. Doch dann gab Rick Perry auf und empfahl seinen Anhängern die Wahl Gingrichs. Kurz darauf korrigierten die Republikaner in Iowa das Ergebnis der Caucuse und erklärten Santorum zum Sieger. Außer der aggressiven Kampagne gegen Romneys berufliche Vergangenheit bei einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft wurden Vermutungen gestreut, er zahle nur 15% Steuern und schließlich lieferten die Moderatoren Juan Williams und John King Newt Gingrich bei zwei Debatten in der letzten Woche Steilvorlagen, die der brillante Rhetoriker Gingrich aufzunehmen und für sich zu nutzen wusste.
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Ein Leben, das bleibt

u alles so sinnlos
u alles so weit
drohend Ende:
Unendlichkeit
(Gottfried Benn)

Vor zwei Wochen verstarb meine Großmutter, nur wenige Stunden vor ihrem 95. Geburtstag. Ich war und bin leider zu weit entfernt, um meinem Vater in diesem Moment beistehen zu können. Aber in meinen Gedanken versuche ich bei ihm und meinen anderen Verwandten zu sein.

Immer wenn ich über den Tod nachdenke, fällt mir Benns Zitat ein, das nur ein Fragment ist. Es ist sicherlich nicht die erbaulichste Aussage, aber sie beschreibt ganz gut, was ich im Moment des Todes eines lieben Menschen empfinde. Im Augenblick, in dem wir erfahren, dass dieser Mensch von uns gegangen ist, scheint alles sinnlos und es scheint alles so weit. Auch droht eine „Unendlichkeit“ des Schmerzes und des Vermissens, eine „Unendlichkeit“ der Leere. Aber sie droht nur und es liegt an mir, wenn schon nicht die „Unendlichkeit“ des Erinnerns abwenden zu können, so doch diese „Unendlichkeit“ mit positiven Inhalten zu füllen. (mehr…)

Mitts Moment

Bereits wenige Minuten nachdem am Dienstagabend die Wahllokale für den Primary in New Hampshire geschlossen waren, stand fest, dass Mitt Romney gewonnen hatte. Kurz darauf trat die gesamte Familie Romney – außer Mitt, sind das seine Frau, Ann, seine fünf Söhne und zahlreiche Enkelkinder – auf die Bühne und Mitt Romney hielt eine Rede, die viele Kommentatoren für seine bisher beste hielten. Darin stellte Mitt Romney klar, dass es im kommenden Wahlkampf um zwei unterschiedliche Visionen von Amerika gehen wird. Während Obama Pessimismus verbreite, stehe er für amerikanischen Optimismus und den Glauben, dass es besser werde. Seine Kampagne baue auf den amerikanischen Idealen von ökonomischer Freiheit und einer klaren und unmissverständlichen Außenpolitik auf, so Romney weiter.

In seiner Rede probierte Romney bereits Slogans für den kommenden Wahlkampf gegen den amtierenden Präsidenten aus. Sollte er wirklich die Nominierung erhalten, dann werden wir wahrscheinlich Sätze wie diesen öfters hören: „Dem Präsidenten gehen die Ideen aus. Jetzt fehlen ihm auch die Ausreden.“

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Mit Mitt oder mit Rick

Gestern also fing der Vorwahlkampf der Republikaner in den USA offiziell an und Deutschland wusste bereits davor, dass der Weltuntergang droht. Ein Blick auf die Überschriften deutscher Tageszeitungen lässt tief blicken. Das Kandidatenfeld der Republikaner wird dort wie folgt beschrieben: „Club der Lügner, Demagogen, Ignoranten“ (Spiegel Online), „Obamas Gegner zwischen Wahn und Mittelmaß“ (WELT online), „Mit Gott in den Krawall“ (FAZ.net), „Wettstreit der Unzulänglichen“ (Süddeutsche). Solch plakative Einfachheit ist man in der Regel nur von der Bild-Zeitung gewohnt, doch wenn es gegen das konservative Amerika geht, dann darf in deutschen Redaktionsstuben auch mal gehobelt werden. Nach einer intensiven Lektüre dieser Artikel wird man am Ende leider feststellen, dass man herzlich wenig über den eigentlichen Wahlkampf, dafür aber umso mehr über unselige antiamerikanische Ressentiments der schreibenden Klasse in Deutschland gelernt hat.

Dabei war es eine durchaus spannende erste Wahlnacht. Erst in den frühen Morgenstunden stand fest, dass Willard ‚Mitt‘ Romney mit gerade einmal acht Stimmen vor Rick Santorum lag und auch Ron Paul mit lediglich vier Prozent hinter den beiden führenden Kandidaten an dritter Stelle kam.

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