Clash of Civilizations im Melting-Pot

Seit nun zwei Wochen ist der Kampf der Kulturen wieder zurück in New York. Das letzte Mal ging es um eine Moschee in der Nähe von Ground Zero, wogegen sich der Zorn einiger Opferfamilien und besonders konservativer Kritiker am Islam richtete. Wiederum einen Anlass für Muslime, Kritik am Umgang mit ihnen zu üben, bot die Überwachung eines Großteils der New Yorker Moscheen durch die New Yorker Polizei (NYPD) seit dem 11. September 2001. Offensichtlich wurden flächendeckend muslimische Gemeinden überwacht und auch solche, die offen mit dem FBI und den Behörden zusammenarbeiteten. Das führte Ende letzten Jahres dazu, dass einige Imame und liberale christliche und jüdische Geistliche das traditionelle interreligiöse Frühstück, das von Bürgermeister Bloomberg veranstaltet wird, boykottierten. Bloomberg zeigte sich davon aber nicht beeindruckt, er meinte, dass die Boykotteure ein Chance auf ein großartiges Frühstück verpasst hätten. Wie sich zeigte, standen die Boykotteure auch auf eher verlorenem Posten, denn an dem Frühstück nahmen 52 Geistliche mehr teil als im Jahr zuvor.

Dieses Mal geht es um einen Film, der zu Bildunsgzwecken ca. 1.500 Polizisten der NYPD gezeigt wurde. Der Film „The Third Jihad“ möchte aufzeigen, dass es innerhalb der islamischen Gemeinschaft in den USA Tendenzen gibt, nicht durch offene Gewalt die Macht in den USA zu erorbern, sondern vor allem durch eine stetige und gezielte Islamisierung die USA in einen islamischen Gottestaat zu verwandeln. Der Skandal entzündet sich zum einen am Inhalt des Films, den insbesondere linke Kreise als „Hetze gegen Muslime“ bezeichnen, zum anderen aber geht es darum, dass der Film für Polizistenschulung verwendet wurde, dieser Fakt aber nach Bekanntwerden geleugnet wurde, bis man schließlich eingestehen musste, dass der Film doch gezeigt wurde. Der zweite Punkt lässt sich schnell klären. Hier hat die NYPD schlicht gelogen und sich damit diskreditiert. Dieser Umstand ergab sich meiner Meinung nach aber aus dem ersten Punkt, weil man bei der NYPD offensichtlich auch zu der Auffassung gekommen war, dass der Film „hetzerisch“ sei und man sich aus diesem Grund nicht zu dem Film bekennen wollte. Dabei scheint mit gerade dieser Punkt keineswegs so offensichtlich zu sein. Jeder kann sich vom Inhalt des Films überzeugen:

Es waren im letzten Jahr vor allem linksliberale Medien, die den Film als Hetzfilm brandmarkten. Der Ausgangspunkt war ein Artikel von Tom Robbins in der Village Voice. Wenn man sich diesen Artikel durchliest, fällt einem auf, dass im Grunde keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Film stattfindet. Fragen wie, welche der gezeigten Fakten stimmen nicht, wo genau wird gegen „die“ Muslime gehetzt?, werden in dem Artikel nicht gestellt. Es reicht dem Autor Robbins, zu schreiben, dass man das so nicht tun dürfe. Der Film wurde von der Clarion Stiftung produziert, die hauptsächlich vom Kasino-Milliardär und Gingrich-Unterstützer Sheldon Adelson finanziert wird. Adelson ist überzeugter Zionist, und unter anderem das ist ein Indiz für Robbins, dass der Film eine anti-muslimische Agenda haben muss. Dass mit Zuhdi Jasser ein überzeugter Muslim der Sprecher in diesem Dokumentarfilm ist und dieser immer wieder betont, dass es nicht um den Islam gehe, sondern um die radikalen Kräfte, wird schlichtweg ignoriert.
Doch der Autor und einige in dem Film angesprochen muslimische Verbände haben die Stimmung schon stark beeinflusst. Denn nicht nur hat sich die NYPD von der Nutzung des Films zur Schulung distanziert, der Pressesprecher der New Yorker Polizei ging so weit und diffamierte den Film als „wacky“ (verrückt). Der Chef der NYPD, Ray Kelly, der selbst im Film vorkommt, nannte ihn „hetzerisch und übertrieben“.

In dieser Woche kamen dann noch verschiedene Interviews hinzu, u.a. mit dem oben genannten Journalisten Tom Robbins, der in einem meiner Meinung nach empörenden Gespräch auf dem New Yorker Radiosender WNYC den Film mit der frei erfundenen antisemitischen Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ verglich. Es ist ein bekanntes Muster, dass man Kritik am Islam als neue Form des Antisemitismus bezeichnet und damit berechtigte Fragen zum Verhältnis von Islam zu Rechststaat und Demokratie im Keim ersticken will. Es ist schon erstaunlich, wie hartnäckig sich die linksliberalen Kreise weigern, auch nur kritische Fragen über und an den Islam zu stellen. Bedenklich hingegen ist, dass auch anderen diktiert werden soll, dass sie in diesen Dingen gefälligst zu schweigen haben. Die gesamte New Yorker linksliberale Elite hat zum Schlag gegen den Film ausgeholt. Nicht nur die Village Voice und WNYC haben hierzu ihren Beitrag geleistet, auch die wichtigste, weil immer noch meinungsführende Zeitung in New York, die New York Times hatte dem Film einen längeren Artikel gewidmet und zusätzlich noch in einem Editorial den Film als „hasserfüllt“ bezeichnet, ebenfalls ohne auch nur mit einem Wort auszuführen, worin der Hass bestehen soll.

Dabei haben diese Kreise kein Problem damit, Religionen zu kritisieren und kritische Darstellungen von Religionen zu hofieren. Bei Filmen wie „Jesus Camp“ oder „Waiting for Armageddon“ jubeln die gleichen Zeitungen, die bei ähnlichen Machwerken zum Islam diese als Hetze und als hasserfüllt bezeichnen. Diese Filme weisen auf bedenkliche Tendenzen innerhalb von evangelikalen Kreisen hin und tun das, ohne darauf hinzuweisen, dass die überwiegende Mehrzahl der Evangelikalen friedliebende Menschen sind. Im Gegenteil auch diese Filme suggerieren, dass die präsentierten Beispiele die Regel wären, dass also Kinder in Jesus Camps zu christlichen Gotteskriegern erzogen würden oder dass alle Evangelikalen aufgrund ihres Glaubens an ein Armaggeddon auch in der Jetztzeit – durch Kriege im Irak, gegen den Terror oder durch die bedingungslose Unterstützung Israels – daran arbeiten würden, um die Endzeit herbeizuführen. Während also ein Film, der mit ebensolchen Zuspitzungen im Hinblick auf den Islam arbeitet, als „hetzerisch“ bezeichnet wird, findet die gleiche Zeitung einen ähnlich einseitigen Film über evangelikale Christen „aufwühlend“ und „alarmierend gut“. Dass mir bis heute keine weltweit operierende evangelikale Terrorgruppe bekannt ist, auf deren Konto der Tod von zehntausenden Menschleben geht, mag für die Village Voice oder die New York Times nebensächlich sein. Aber das alles zeigt für mich, warum die Kritik an „The Third Jihad“ unglaubwürdig ist und hier mit doppelten Standards gearbeitet wird.

Warum ich den Film aber vor allem interessant finde, hat mit einem der Hauptprotagonisten im Film zu tun. Dr. M. Zuhdi Jasser, der auch Mitbegründer des Amerikanischen Islam Forums für Demokratie ist, leiht dem Film seine Stimme und schafft es durch seine Innenperspektive auf den Islam, diesen authentisch zu kritisieren, ohne diesen zu diskreditieren, wie man es aus manchen Kreisen in Deutschland kennt. Ich hatte im letzten Jahr die Gelegenheit Jasser bei der Anti-Durban-3-Konferenz zu hören, wo er sich für Israel stark machte und das immer aus einer muslimischen Perspektive heraus. Jasser unterscheidet sich somit von vielen Islamkritikern, indem er eben davon überzeugt ist, dass der Islam refomierbar ist und reformiert werden muss.

In Bezug auf den Film war es bezeichnend, dass der New Yorker Radiosender WNYC erst auf Nachfrage der Produzenten des Films Zuhdi Jasser die Möglichkeit einräumten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Ich halte das Gespräch für bemerkenswert, weil der Moderator Brian Lehrer versucht, Jasser als Hetzer hinzustellen, dieser aber sich dem Versuch bemerkenswert offensiv und erfolgreich entgegenstellt. Da Jasser das in eigenen Worten besser vermag als ich es könnte, empfehle ich, das Gespräch einfach selber anzuhören:

P.S.: Auch Henryk Broder hat auf der Achse des Guten auf die Empörung organisierter Muslime über den Film hingewiesen.

P.S.S: Dr. M. Zuhdi Jasser hat heute in der New York Post ebenfalls auf die Anschuldigungen gegen ihn reagiert: „Ich habe mich an dem Film beteiligt, weil wir Muslime einen wirklichen Jihad gegen die Radikalen, die unseren Glauben gekidnappt haben, brauchen. In diesem Land können nicht Millionen von uns nur von einem Oberhaupt oder einer Lobby vertreten werden; dafür sind wir ideologisch zu unterschiedlich.“