Vorwärts!

Wow! Das war wirklich verrückt. Innerhalb weniger Tage konnte Romney die Stimmung in Florida um 180° zu seinen Gunsten drehen und in der Wahlnacht einen souveränen Sieg mit 46.4% einfahren. Damit lag er sogar vor Gingrich (31.9%) und Santorum (13.3%) zusammengenommen. Wichtig war vor allem, dass Romney durch alle Wählerschichten hindurch (bis auf diejenigen, die sich als sehr konservativ einschätzen) gewinnen konnte und er vor allem aufgrund seiner Wählbarkeit siegte.

Zum einen ist Romney wirklich, wie ich es im letzten post gehofft hatte, aggressiver gegen Gingrich vorgegangen. Sowohl in den zwei Debatten in Florida, aber auch durch seine massive Wahlwerbung. Romney gab in Florida viermal so viel aus wie Gingrich, nämlich über 15 Millionen Dollar zu 3.4 Millionen Dollar. Zum anderen hatte Gingrich keine wirkliche Strategie, wie er mit diesem aggressiven Romney umgehen sollte. In seinem eigentlichen Terrain, den Fernsehdebatten, war er auffallend passiv und defensiv. Romney gelang es mit der Unterstützung prominenter Republikaner wie Eliott Abrams Gingrichs Bilanz als ein Ronald Reagan Konservativer zu hinterfragen, seine Tätigkeit für die Hypothekenbank Freddie Mac in ein sehr schlechtes Licht zu rücken und die Ernsthaftigkeit von Gingrichs „grandiosen Ideen“, wie beispielsweise eine Mondkolonie zu errichten, anzuzweifeln.

Wichtiger als der Sieg in Florida werden aber die nächsten Wochen sein. Der Februar gilt bereits als Romney-Monat. Der Terminkalender in diesem Monat sieht folgendermaßen aus
4. Februar: Nevada (caucus)
4.-11. Februar: Maine (caucus)
7. Februar: Colorado (caucus); Minnesota (caucus); (Missouri (primary))
28. February: Arizona (primary); Michigan (primary)

Diese Vorwahlen sind aus unterschiedlichen Gründen sehr gut für Romney. Als erstes sind es mehrheitlich Causcusse, da hilft es, dass Romney die bestorganisierte und finanziell stärkste Kampagne hat.

Dann sind da Staaten mit einer hohen Anzahl an Mormonen (Nevada, Arizona), die mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit geschlossen für Romney stimmen werden.

In den einwöchigen Caucuses in Maine sollte Romney ebenfalls gewinnen, weil er ja nicht zu unrecht von Gingrich als „New England moderate“ gebrandmarkt wurde. Gingrich kann Romney in diesem Staat sicherlich nicht gefährden, achten sollte er aber auf Ron Paul, der sowohl eine enthusiastische Anhängerschaft hat, was für Caucusse sehr wichtig ist, und der mit seinem Libertarianismus auch viele Menschen in einem Kernland von Neu England anspricht.

In Colorado gibt es ebenfalls eine größere Zahl an Mormonen und er gewann Colorado und Minnesota bereits bei den letzten Vorwahlen in 2008. Allerdings könnte gerade in diesen Staaten, die eine starke libertäre Tradition haben, Ron Paul Romney einige Delegierte abgreifen. Der Missouri Primary wurde auf März verschoben und zu einem Caucus gemacht und ist deshalb irrelevant (er findet aber trotzdem statt).

Schließlich ist da noch Michigan, der Bundesstaat, aus dem Romney stammt und in dem sein Vater Gouverneur war. Diese Punkte sprechen für ihn, wobei auch darauf hingewiesen wird, dass die Wählerschaft dort eher aus der unteren Arbeitsklasse stammt, die nicht zu Romneys Zielgruppe gehört, und Romney sich für eine Bankrott der großen Autohersteller in Detroit ausgesprochen hat. Das scheint der einzige Bundesstaat zu sein, in dem Gingrich eine kleine Chance auf den Sieg haben könnte.

Gingrich hätte Florida gewinnen müssen, um einen Schwung für diesen schwierigen Februar mitzunehmen. Er wird nur eine Fernsehdebatte geben (22. Februar; CNN), was ihm dementsprechend auch nur bedingt helfen wird. Außerdem hat seine Organisation zwar durch die großzügigen Spenden von Sheldon Adelson ein gutes Polster, aber verglichen mit Romney sind das „peanuts“, zudem fehlt es Gingrich an der Organisation vor Ort. Rick Santorum hat im Februar überhaupt keine Chance, auch wenn viele Konservative ihn immer noch für eine sehr gute Alternative zu Gingrich halten. Schließlich ist da Ron Paul, der tatsächlich in einigen Caucusen, wenn schon nicht gewinnen, so doch zumindest eine gewisse Zahl an Delegierten mitnehmen kann. In den letzten Wochen hatte er auch immer wieder betont, das er sich aus diesem Grund nicht auf Staaten wie Florida konzentriert, wo der Sieger alle Delegierten bekommt, sondern auf Causcus-Staaten und solche von die Delgierten anteilig vergeben werden.

Schlagen kann sich Romney wieder einmal nur selbst. Und manchmal hat man das Gefühl er tut alles, damit er auch ja kein Fettnäpfchen umgeht. Gestern sagte er auf CNN, dass er sich keine Sorgen um die „sehr Armen“ mache, die ein Sicherheitsnetz hätten. Das war natürlich aus dem Zusammenhang gerissen und er meinte es nicht so gefühllos, wie es dann in Folge von linksliberalen Medien verwendet wurde, aber es war missverständlich und liefert Obama ein Zitat, das dieser auf Endlosschleife spielen wird. (Für mehr verweise ich auf Jennifer Rubin und Bethany Mandel, sowie kritisch dazu Peter Wehner und John McCormack)
Heute nahm er hocherfreut die Wahlempfehlung von Donald Trump entgegen, der nicht nur Millardär ist, sondern sich vor allem als jemand hervorgetan hat, der an Obamas Geburstzertifikat zweifelte, als das schon lange niemanden mehr interessierte. Möchte Romney das Etikett des Wählbaren behalten und die Unterstützung des Republikaner-Establishments, sollte er sich von solchen Leuten fernhalten und in Zukunft darauf achten, welche Worte er wählt. Denn die Obama-Kampagne wartet auf jeden Ausrutscher, den sie in ihrer Kampagne im Herbst verwenden kann.

Aber am Wochenende gibt es außer den Vorwahlen vor allem den Super Bowl am 5. Februar. Das ist wohl das wichstigste Ereignis in diesem Jahr. Außerdem stehen in diesem Jahr die New York Giants im Finale, weshalb natürlich hier in New York alle schon darauf hinfiebern (auch wenn die Giants eigentlich New Jersey Giants heißen müssten, trainieren und spielen sie ja im Nachbarstaat).

Ich muss mich also erst einmal mit diesem komischen Sport und seiner Regelwust vertraut machen.