Nichtberichterstattung

Während SPIEGEL online sich in der gewohnt israelkritischen Rhetorik ergeht und über die Erweiterung der Regierungskoalition Israels titelt: „Netanjahu schmiedet Kriegskoalition“, übergeht diese deutsche Qualitätsseite wie üblich jegliche vertrauensbildende Maßnahmen der Israelis.

So erfährt man dort nichts von den zahlreichen Maßnahmen, die Netanyahu in den letzten Wochen implementiert hat, und die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser erleichtern. Wenn es um den Nahen Osten geht, sollte man sich wirklich nicht alleine auf die Berichterstattung deutscher Medien verlassen.

Denn wie der Militärkorrespondent der Jerusalem Post Yaakov Katz vor ein paar Tagen berichtete, hatte die Zivilverwaltung von Judäa und Samaria (Westbank) aufgrund der gestiegenen Stabilität in diesen Gebieten einige der sogenannten „road blocks“ entfernen können.

Diese Hindernisse wurden von mindestens sechs Straßen in der Nähe von Tulkarem, Nablus, Balata und Ariel geräumt. Zusätzlich wurde bereits vor einigen Wochen die sogenannte Shomronim Barriere beseitigt.

In den letzten 4 Jahren kamen außerdem 30 „checkpoints“ dazu, wo im Gegensatz zu den „road blocks“ israelische Soldaten Palästinenser kontrollieren. Gegenwärtig bleiben damit 11 „checkpoints“, die sich, so Katz weiter, hauptsächlich entlang der Grünen Linie – der Waffenstillstandslinie von 1949 – befinden. Katz zitiert einen israelischen Offizier: „Heute können Palästinenser von Nord-Samaria nach Süd-Judäa in Rekordzeit reisen und müssen dabei vielleicht einen checkpoint passieren. Vor drei Jahren hätte es einige Stunden gedauert und sie hätten mehrere checkpoints über sich ergehen lassen müssen.“

Die Redaktion von SPIEGEL online sinniert lieber weiter über die „Kriegskoalition“ und möchte auf liebgewonnene Feindbilder nicht verzichten. Das ist verständlich, würde sonst das Bild des Nahen Ostens zu komplex. In Hamburg sollten sie also Netanyahu für seinen innenpolitischen Coup fast schon dankbar sein. Denn gäbe es den gegenwärtigen israelischen Premierminister nicht, müsste man sich in der Hansestadt glatt einen eigenen Netanyahu erfinden. Aber so etwas würden SPIEGEL-Redakteure ja nie tun…