Ermutigung für Ermutiger

Die Erlangung der Freiheit ist keineswegs einfach. In Amerika wissen wir von der Schwierigkeit, Minderheiten zu schützen, eine nationale Armee aufzubauen, die Beziehung zwischen der Zentralregierung und regionalen Autoritäten festzulegen, weil wir uns diesen Herausforderungen am Tag unserer Unabhängigkeit stellen mussten. Und sie haben uns fast zerrissen. Es benötigte viele Jahrzehnte der Auseinandersetzungen, bis wir unseren eigenen Idealen gerecht wurden. Aber wir hörten niemals auf an die Macht dieser Ideale zu glauben – und wir sollten es auch heute nicht tun. (George W. Bush, 15. Mai 2012)

Viel wird geredet über den arabischen Frühling, der in den Augen einiger bereits zu einem Winter geworden ist. Nur einer scheint zu wissen, dass Freiheit nicht von heute auf morgen kommt, dass sie eines kontinuierlichen Glaubens an die Freiheit und eines Strebens nach derselben bedarf, um sie zu erhalten und zu bewahren. Gemeint ist der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten George W. Bush, der mit seiner Freiheitsagenda viel dazu beigetragen hat, dass nach Jahrzehnten der Ignoranz endlich der Funken der Freiheit in den Nahen Osten getragen wurde. Der amerikanische Kolumnist Charles Krauthammer hatte als einer der wenigen bereits im März 2011 Bushs Freiheitsagenda als einen entscheidenden Faktor für die Aufstände ausgemacht. Denn ohne die Beseitigung eines der brutalsten Herrscher im Nahen Osten, dessen Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung hätten die Menschen im Maghreb, im Jemen und in Syrien nie den Mut gefunden, die gottgleichen Diktatoren infrage zu stellen.

Eine Idee in Bushs Agenda ist ehrlich und wichtig: der Weg zur Demokratie ist nicht nur idealistisch, sondern auch realpolitisch von Bedeutung. Tyrannen in ihren unterschiedlichsten Ausprägung bieten nur eine trügerische Stabilität, sie sind weder verlässlich noch vertrauenswürdig. Mit ihnen lässt sich schlicht keine nachhaltige Politik betreiben. Natürlich, eine Freiheits- und Demokratieagenda hat auch eine idealistische Komponente. Sie fußt auf der Überzeugung, dass Freiheit ein universelles Anliegen des Menschen und Demokratie die beste Regierungsform für die Verwirklichung dieser Freiheit ist. Dies sind Ideale, die sich, dass haben nicht zuletzt die Jahre seit 1945 gezeigt, wenn auch nicht linear und immer mit Rückschlägen verbunden, so doch langfristig durchsetzen.

All das hat Obama nicht verstanden. In seiner Außenpolitik hat er Menschenrechte und Demokratie auf die hinteren Plätze verbannt. Darauf wies Joshua Murachik bereits vor drei Jahren hin und diesen April schrieb Fred Hiatt von der Washington Post, nach drei Jahren Obama Administration könne man sagen, dass Demokratie und Freiheit nicht sehr hoch auf der Prioritätenliste des Präsidenten stünden.

Nicht zuletzt das mag ein Grund dafür sein, warum Obama Israel so distanziert gegenübersteht. Dass der jüdische Staat trotz Kriegen und Vernichtungsdrohungen seine demokratische Verfasstheit bewahrt hat, beeindruckt Obama weniger als das Drohpotenzial der islamischen Welt. Auch hier setzte Bush andere Prioritäten, er erkannte die Leistungen Israels an und unterstützte es unter anderem als Leuchtturm der Demokratie im Nahen Osten.

In der letzten Woche hat George W. Bush im Rahmen der Einweihung des George W. Bush Instituts wieder einmal gezeigt, warum er einer der wichtigsten US-Präsidenten in diesem Jahrhundert sein wird. Er hielt eine Rede, in der er seine Philosophie der Freiheit energisch verteidigte und die Aufstände in den arabischen Ländern lobte. Kein bisschen hat Bush von seiner Leidenschaft für die individuelle Freiheit aller Menschen verloren. Die Rede knüpft an Bushs beste Ansprachen an, vor allem an seine zweite Antrittsrede von 2005.

Bush unterscheidet sich mit seinem Glauben an den Freiheitswillen auch der Muslime wohltuend von linken Außenpolitikern, die am liebsten auf jede Erwähnung der Worte Demokratie und Freiheit verzichten würden, weil das angeblich „westliche Konzepte“ seien, die anderen Völkern neokolonial übergestülpt werden sollen. Aber er unterscheidet sich auch von rechten Kulturpessimisten, die den Glauben an die Strahlkraft dieser Ideale verloren haben (oder nie wirklich besaßen) und sich entweder generell gegen eine vermeintlich unreformierbare und barbarische islamische Zivilisation wenden oder aber sich national abkapseln und auf ein offensives Eintreten für diese Konzepte verzichten wollen.

Es stimmt, es kann im Nahen Osten noch weiter bergab gehen. Der Weg der Freiheit hat immer zwei Möglichkeiten: einen relativ unblutigen, mit der amerikanischen Revolution vergleichbaren oder den Tugendterror, der auf die französische Revolution folgte. Andererseits zeigen diese beiden historischen Umstürze auch die Ambivalenzen eines solchen Ereignisses auf. Nach der Jakobinerherrschaft und Napoleons Diktatur fand auch Frankreich schließlich zu einer relativ stabilen Demokratie. Und in den USA benötigte es trotz des verheißungsvollen Beginns ebenfalls noch fast 200 Jahre bis alle Bürger in allen Bundesstaaten dieselben Rechte hatten und ausüben durften. Auf diese Herausforderungen verweist Bush. Was für ihn aber ebenfalls evident ist, ist die Tatsache, dass wenn einmal die Tür zur Freiheit aufgestoßen wurde, es lange dauern mag bis alle hindurch geschritten sind, auf lange Sicht aber weist die Richtung durch diese Türe.

Das alles und noch viel mehr spricht Bush in seiner Rede an, die ich jedem empfehle, der Inspiration für seine Auseinandersetzungen mit linken Kulturrelativisten und rechten Kassandrarufern sucht. Oder wie es ein anderer kluger Mann einmal gesagt hat: „Die guten Leute brauchen auch manchmal ein paar gute Leute und die Ermutiger brauchen auch Ermutigung.“

In diesem Sinne viel Ermutigung:


1 Antwort auf „Ermutigung für Ermutiger“


  1. 1 Cora B. Hermann 10. Juni 2012 um 17:28 Uhr

    Hut ab! Ich dachte schon, Deutschland besteht nur aus „Obamaiaten“. Dennoch fürchte ich, dass jeder, der an Bush öffentlich nur ein halbes gutes Haar lässt, hier immer noch geteert und gefedert wird.

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