Archiv der Kategorie 'Deutschland'

In der Fremde zu Hause

Fritz Lieblich ist der letzte noch lebende deutsch-jüdische Flüchtling in der Stadt Porto. Ein Besuch

Pass Fritz Lieblich
In akzentfreiem Deutsch mit einer leicht niedersächsischen Färbung begrüßt Fritz Lieblich seine Gäste. Deutsch, so erzählt der knapp 97-Jährige, habe er seit 1935 nur manchmal noch mit seiner Schwester Ilse gesprochen. Auf dem Tisch im Wintergarten stehen ein kühles Bier und eine Wurstplatte. Der Blick durch die großen Fenster geht auf Porto mit seinen Brücken und den Fluss Douro. Nur ein Wohnblock schränkt den Panoramablick ein. »Früher konnte man bis zum Meer sehen«, stellt der alte Herr bedauernd fest. Fritz Lieblich ist der letzte lebende deutsch-jüdische Flüchtling in der nordportugiesischen Stadt. …
Weiter geht es auf der Seite der Jüdischen Allgemeine

Über Fritz Lieblichs Schwester habe ich vor Kurzem in der Jungle World geschrieben: „An allen Fenstern Lumpenfetzen“

Gehrcke und sein Genosse

Der friedensbewegte Gehrcke richtete in dieser Woche in der Fragestunde an die Bundesregierung das Augenmerk der Öffentlichkeit auf das israelische Unrecht gegenüber Barghouti. Wenn man den Ausführungen des außenpolitischen Sprechers der Linkspartei so folgte, konnte man meinen, dass es in Israel nicht mit rechten Dingen zugeht. Wie kann es sein, dass ein demokratisch gewählter Politiker in Israel im Gefängnis schmort?

Leider verschwieg Herr Gehrcke bei seiner so besorgt lautenden Anfrage einige entscheidende Details zum Leben des Marwan Barghouti. Denn dieser wurde im Jahr 2004 von einem israelischen Gericht zu fünfmal lebenslänglicher Haft verurteilt, weil er für schuldig befunden wurde, an mehreren Morden und Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein.

…weiter geht es auf der Achse des Guten

Nichtberichterstattung

Während SPIEGEL online sich in der gewohnt israelkritischen Rhetorik ergeht und über die Erweiterung der Regierungskoalition Israels titelt: „Netanjahu schmiedet Kriegskoalition“, übergeht diese deutsche Qualitätsseite wie üblich jegliche vertrauensbildende Maßnahmen der Israelis.

So erfährt man dort nichts von den zahlreichen Maßnahmen, die Netanyahu in den letzten Wochen implementiert hat, und die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser erleichtern. Wenn es um den Nahen Osten geht, sollte man sich wirklich nicht alleine auf die Berichterstattung deutscher Medien verlassen.

Denn wie der Militärkorrespondent der Jerusalem Post Yaakov Katz vor ein paar Tagen berichtete, hatte die Zivilverwaltung von Judäa und Samaria (Westbank) aufgrund der gestiegenen Stabilität in diesen Gebieten einige der sogenannten „road blocks“ entfernen können.

Diese Hindernisse wurden von mindestens sechs Straßen in der Nähe von Tulkarem, Nablus, Balata und Ariel geräumt. Zusätzlich wurde bereits vor einigen Wochen die sogenannte Shomronim Barriere beseitigt.

In den letzten 4 Jahren kamen außerdem 30 „checkpoints“ dazu, wo im Gegensatz zu den „road blocks“ israelische Soldaten Palästinenser kontrollieren. Gegenwärtig bleiben damit 11 „checkpoints“, die sich, so Katz weiter, hauptsächlich entlang der Grünen Linie – der Waffenstillstandslinie von 1949 – befinden. Katz zitiert einen israelischen Offizier: „Heute können Palästinenser von Nord-Samaria nach Süd-Judäa in Rekordzeit reisen und müssen dabei vielleicht einen checkpoint passieren. Vor drei Jahren hätte es einige Stunden gedauert und sie hätten mehrere checkpoints über sich ergehen lassen müssen.“

Die Redaktion von SPIEGEL online sinniert lieber weiter über die „Kriegskoalition“ und möchte auf liebgewonnene Feindbilder nicht verzichten. Das ist verständlich, würde sonst das Bild des Nahen Ostens zu komplex. In Hamburg sollten sie also Netanyahu für seinen innenpolitischen Coup fast schon dankbar sein. Denn gäbe es den gegenwärtigen israelischen Premierminister nicht, müsste man sich in der Hansestadt glatt einen eigenen Netanyahu erfinden. Aber so etwas würden SPIEGEL-Redakteure ja nie tun…

Die erträgliche Leichtigkeit des Seins

These, then, are my last words to you: Be not afraid of life. Believe that life is worth living, and your belief will help create the fact. The ’scientific proof‘ that you are right may not be clear before the day of judgment (or some stage of being which that expression may serve to symbolize) is reached. But the faithful fighters of this hour, or the beings that then and there will represent them, may then turn to the faint-hearted, who here decline to go on, with words like those with which Henry IV. greeted the tardy Crillon after a great victory had been gained: „Hang yourself, brave Crillon! we fought at Arques, and you were not there. (William James: „Is Life Worth Living?“, 1895)


Meine Zeit in New York ist rum. In den letzten Wochen war so viel los, dass ich nicht mehr die Ruhe fand, etwas zu schreiben. Über den Vorwahlkampf hätte es sowieso nichts Neues zu berichten gegeben, außer einem ständigen hin un her. Romney gelang es natürlich nicht, die Nominierung im Februar endgültig für sich entscheiden und so wird es damit wohl noch bis Juni weitergehen. Obwohl ich den gesamten Vorwahlprozess den Mauscheleien in den Zentralkomitees der deutschen Parteien vorziehe, ist meine Überzeugung, dass mit Romney ein überzeugender und aussichtsreicher Kandidat gegen Obama antreten wird, der Befürchtung gewichen, dass eventuell doch Santorum von den Republikanern nominiert wird, der mit seinen sehr konservativen Ansichten schlicht nicht die moderaten oder unabhängigen Wähler ansprechen würde. (mehr…)

Ab Freitag, 19.08 Uhr ist Sonntag oder warum New York anders ist

Mittlerweile bin ich also umgezogen. Vom hektischen, beeindruckenden, beängstigenden Manhattan ins übersichtliche, ruhige und entspannte Brooklyn, genauer nach Midwood. Mit der Q- oder B-Line sind es zwar immerhin mindestens 30 Minuten bis nach Downtown Manhattan, aber ich muss nicht umsteigen, was einem erlaubt auch mal ein Buchkapitel in Ruhe zu Ende zu lesen. Hier in Midwood gehen manche Uhren anders. In meiner direkten Umgebung sind ca. 80 % der Einwohner chassidische Juden, größtenteils Anhänger der Chabad-Bewegung. Das ist dann in der Tat eine andere Welt als im kosmopoliten Manhattan. Hier tragen die Frauen dunkle Röcke und oftmals Kopftücher oder auch Perücken; die Männer eine Kippa, Anzüge und Feroda und Quasten, viele Ladenschilder sind auf hebräisch und ab und an hört man es auch in Unterhaltungen. Jeder Lebensmittelladen kann ein Koscher-Zertifikat vom Rabbinat vorweisen, nicht nur jüdische Läden, sondern auch Dunkin Donuts oder Walgreens sind ausgewiesen koscher. Die Woche beginnt somit hier nicht am Montag, sondern am Sonntag. Um viele Häuser sind Fäden gespannt, die einen sogenannten Eruv kennzeichnen, der bestimmte Regeln für den Sabbat innerhalb des eingegrenzten Raums außer Kraft setzt. In fast allen Läden auf der Haupteinkaufsstraße, der Avenue J, kann man in den Schaufenster auch ein Schild finden, auf dem der genaue Zeitpunkt des Sabbatbeginns verkündet wird. Letzte Woche war das genau um 19.08 Uhr. Nach dem Beginn des Sabbats sind die Straßen wie leer gefegt. Aber die Religiösität der ultraorthodoxen Juden nimmt manchmal auch recht bizarre Züge an, so wurde beispielsweise ein durch den Hurrikan Irene umgestürzter Baum als ein Akt Gottes interpretiert. Soviel also zu meinem neuen Viertel.
(mehr…)