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Zehn Jahre Krieg gegen den Terror – ein (kritischer) Blick zurück

Dies ist jedoch nicht nur Amerikas Kampf. Und es geht hier nicht nur um Amerikas Freiheit. Dies ist ein Kampf der gesamten Welt. Dies ist der Kampf der gesamten Zivilisation. Dies ist der Kampf all jener, die an Fortschrittt und Pluralismus, Toleranz und Freiheit glauben. (George W. Bush am 20. September 2001 bei einer gemeinsamen Sitzung des amerikanischen Kongresses)

Anfang dieser Woche fand im Gebäude der Society for Ethical Culture eine Veranstaltung des konservativen Commentary Magazins statt, bei der über „Zehn Jahre Krieg gegen den Terror“ diskutiert werden sollte. An einem warmen Sommerabend machte ich mich also Richtung Central Park auf, um zu hören, wie Autoren der führenden neokonservativen Zeitschrift die letzten zehn Jahre einschätzen. Es sollte hauptsächlich bilanziert werden, hierzu diente der Text des Journalisten Abe Greenwald „What We Got Right in the War on Terror“ als Diskussionsgrundlage. Greenwald vertritt die nachvollziehbare Position, dass die vergangenen zehn Jahre als Erfolg gewertet können. Er gibt zu, dass es in manchen Bereichen besser hätte laufen können, aber sowohl aus militärischer Perspektive als auch von einem sicherheitspolitischen Gesichtspunkt aus gab und gibt es große Erfolge im Kampf gegen den islamistischen Terror: Die Taliban sind in Afghanistan von ihrer Macht verdrängt und militärisch geschwächt worden; Al-Qaida hat in Afghanistan ihren sicheren Hafen verloren und im Irak eine schwer militärische Niederlage erlebt; im Irak konnte die erste arabische Demokratie etabliert werden, die nicht zuletzt auch die Grüne Bewegung im Iran motiviert hat (obwohl auch Greenwald zugesteht, dass insbesondere in letzter Zeit bedenkliche Tendenzen beim irakischen Premierminister al Maliki zu beobachten sind); das Wichtigste aber seit 2001 konnten dutzende Anschläge auf die USA verhindert werden und es kam zu keinem Anschlag in der Größenordnung des 11. Septembers.
Commentary Forum Wie geschrieben, Greenwald gibt zu, dass es Rückschläge gab. Hauptsächlich waren das: in Afghanistan ein viel zu spät begonnenes nation-building und die erfolgreiche Flucht Osama bin Ladens; im Irak die fehlerhaften Geheimdienstberichten zu Massenvernichtungswaffen, die Entbaathifizierung und Entlassung der irakischen Soldaten und das anfängliche Fehlen einer Strategie gegen die Aufständischen.

An dieser Stelle möchte ich keine Rezension von Greenwalds Text oder der Veranstaltung abliefern, sondern die Thesen vielmehr als Aufhänger für meine Gedanken zur letzten Dekade aufgreifen. Zum 11. September und meinen persönlichen Veränderungen seit dieser Zeit werde ich in den nächsten Wochen gesondert etwas schreiben. Obwohl ich in weiten Teilen Greenwald zustimme – und insbesondere die sicherheitspolitischen Maßnahmen nicht nur in den USA für überaus erfolgreich halte – , wären zehn Jahre auch Zeit, eine kritische Bilanz zu ziehen, ohne Defätismus und Gedanken an Appeasement, vielmehr um Lehren zu ziehen, die dazu führen, Fehler nicht noch einmal zu begehen. So blieben am Abend leider wichtige Rückschläge unerwähnt: (mehr…)