Archiv der Kategorie 'Horace M. Kallen'

Ehre, wem Ehre gebührt

Am kommenden Samstag würde Horace M. Kallen, von dem der Leser dieses Blogs bereits gelesen hat, 130 Jahre alt.

Das war für mich ein Grund, einen Artikel über Kallen zu verfassen, in dem ich versuche, ihn der Vergessenheit, in die er geraten ist, zu entreißen.
Zu finden ist er auf der englischsprachigen Seite Jewish Ideas Daily. Viel Spaß!

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Ab Freitag, 19.08 Uhr ist Sonntag oder warum New York anders ist

Mittlerweile bin ich also umgezogen. Vom hektischen, beeindruckenden, beängstigenden Manhattan ins übersichtliche, ruhige und entspannte Brooklyn, genauer nach Midwood. Mit der Q- oder B-Line sind es zwar immerhin mindestens 30 Minuten bis nach Downtown Manhattan, aber ich muss nicht umsteigen, was einem erlaubt auch mal ein Buchkapitel in Ruhe zu Ende zu lesen. Hier in Midwood gehen manche Uhren anders. In meiner direkten Umgebung sind ca. 80 % der Einwohner chassidische Juden, größtenteils Anhänger der Chabad-Bewegung. Das ist dann in der Tat eine andere Welt als im kosmopoliten Manhattan. Hier tragen die Frauen dunkle Röcke und oftmals Kopftücher oder auch Perücken; die Männer eine Kippa, Anzüge und Feroda und Quasten, viele Ladenschilder sind auf hebräisch und ab und an hört man es auch in Unterhaltungen. Jeder Lebensmittelladen kann ein Koscher-Zertifikat vom Rabbinat vorweisen, nicht nur jüdische Läden, sondern auch Dunkin Donuts oder Walgreens sind ausgewiesen koscher. Die Woche beginnt somit hier nicht am Montag, sondern am Sonntag. Um viele Häuser sind Fäden gespannt, die einen sogenannten Eruv kennzeichnen, der bestimmte Regeln für den Sabbat innerhalb des eingegrenzten Raums außer Kraft setzt. In fast allen Läden auf der Haupteinkaufsstraße, der Avenue J, kann man in den Schaufenster auch ein Schild finden, auf dem der genaue Zeitpunkt des Sabbatbeginns verkündet wird. Letzte Woche war das genau um 19.08 Uhr. Nach dem Beginn des Sabbats sind die Straßen wie leer gefegt. Aber die Religiösität der ultraorthodoxen Juden nimmt manchmal auch recht bizarre Züge an, so wurde beispielsweise ein durch den Hurrikan Irene umgestürzter Baum als ein Akt Gottes interpretiert. Soviel also zu meinem neuen Viertel.
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New York, Koestler und ich

Freedom of thought and expression is, thus, the first and the last insurance of human individuality against tyrannies and inertias of state, church, business enterprise, institution of learning, academy of art, or any other vested interest of the cultural economy of mankind. (Horace M. Kallen, 1945)

Nun ist also die erste Woche rum und da könnte man ja eine erste Bilanz ziehen. New York hat sich seit meinem letzten Aufenthalt vor zwei Jahren relativ wenig verändert. Noch muss ich mich ein bisschen orientieren, verschiedene administrative Gänge erledigen und vor allem eine Wohnung finden. Zurzeit wohne ich zwar sehr zentral im East Village, jedoch auf vielleicht 8m², das ist auf Dauer nicht durchzuhalten; außerdem hat Manhattan nach spätestens 48h den Effekt, dass man dauergestresst ist. Hier gilt wirklich, New York ist die Stadt, die niemals schläft und insbesondere niemals schweigt. Gestern kam noch der Regen hinzu, es hat den ganzen Tag geregnet und zwar richtig. Deutschland lässt grüßen, dachte ich mir. Besonders ärgerlich, weil ich diese Woche nach Long Island an den Strand wollte, aber vielleicht wird es gegen Ende der Woche noch was. Ansonsten werde ich morgen zum Diskussionsabend des COMMENTARY Magazins gehen, wo über Zehn Jahre Krieg gegen den Terror diskutiert werden soll. Ich bin sehr gespannt, insbesondere auch deshalb, weil es ansonsten in New York relativ schwer ist, sich politisch außerhalb des linken Spektrums zu informieren (für Tipps bin ich offen). (mehr…)

Aller Anfang ist schwer

The plan for the city must be the Idea of the City as an enterprise of free men in the cooperative attainment of the good life by means of the best instrumentalities available to the modern industrial community. (Horace M. Kallen, 1956)

Jetzt sitze ich also in New York, weit entfernt von brennenden Städten und einem verregnetem Sommer, in einer Stadt, die immer noch ziemlich genau der Idee von Stadt entspricht, die Horace Kallen, in dem Eingangszitat skizziert hat: ein Vorhaben freier Menschen durch die besten Hilfsmittel, die der modernen Industriegesellschaft zur Verfügung stehen, das gute Leben kooperativ zu verwirklichen. Hier werde ich für ein halbes Jahr versuchen, meine Dissertation das entscheidende letzte Stück voranzubringen. Mit finanzieller Unterstützung der Fulbright-Kommission und dem Wissen Richard J. Bernsteins von der New School for Social Research werde ich meine Doktorarbeit zum amerikanisch-jüdischen Philosophen Horace M. Kallen hier diskutieren und weiterschreiben.

Natürlich kann ein Aufenthalt in der kulturellen Kapitale des Westen sich nicht nur auf einen Arbeits- und Forschungsaufenthalt beschränken. Es werden Eindrücke gesammelt, Straßen durchstreift, Bars und Cafés besucht, Menschen getroffen und ein zwiegespaltener Blick von Long Islands Küsten Richtung Europa geworfen, auf unseren Kontinent, den alten.
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