Archiv der Kategorie 'USA'

Die erträgliche Leichtigkeit des Seins

These, then, are my last words to you: Be not afraid of life. Believe that life is worth living, and your belief will help create the fact. The ’scientific proof‘ that you are right may not be clear before the day of judgment (or some stage of being which that expression may serve to symbolize) is reached. But the faithful fighters of this hour, or the beings that then and there will represent them, may then turn to the faint-hearted, who here decline to go on, with words like those with which Henry IV. greeted the tardy Crillon after a great victory had been gained: „Hang yourself, brave Crillon! we fought at Arques, and you were not there. (William James: „Is Life Worth Living?“, 1895)


Meine Zeit in New York ist rum. In den letzten Wochen war so viel los, dass ich nicht mehr die Ruhe fand, etwas zu schreiben. Über den Vorwahlkampf hätte es sowieso nichts Neues zu berichten gegeben, außer einem ständigen hin un her. Romney gelang es natürlich nicht, die Nominierung im Februar endgültig für sich entscheiden und so wird es damit wohl noch bis Juni weitergehen. Obwohl ich den gesamten Vorwahlprozess den Mauscheleien in den Zentralkomitees der deutschen Parteien vorziehe, ist meine Überzeugung, dass mit Romney ein überzeugender und aussichtsreicher Kandidat gegen Obama antreten wird, der Befürchtung gewichen, dass eventuell doch Santorum von den Republikanern nominiert wird, der mit seinen sehr konservativen Ansichten schlicht nicht die moderaten oder unabhängigen Wähler ansprechen würde. (mehr…)

Vorwärts!

Wow! Das war wirklich verrückt. Innerhalb weniger Tage konnte Romney die Stimmung in Florida um 180° zu seinen Gunsten drehen und in der Wahlnacht einen souveränen Sieg mit 46.4% einfahren. Damit lag er sogar vor Gingrich (31.9%) und Santorum (13.3%) zusammengenommen. Wichtig war vor allem, dass Romney durch alle Wählerschichten hindurch (bis auf diejenigen, die sich als sehr konservativ einschätzen) gewinnen konnte und er vor allem aufgrund seiner Wählbarkeit siegte.

Zum einen ist Romney wirklich, wie ich es im letzten post gehofft hatte, aggressiver gegen Gingrich vorgegangen. Sowohl in den zwei Debatten in Florida, aber auch durch seine massive Wahlwerbung. Romney gab in Florida viermal so viel aus wie Gingrich, nämlich über 15 Millionen Dollar zu 3.4 Millionen Dollar. Zum anderen hatte Gingrich keine wirkliche Strategie, wie er mit diesem aggressiven Romney umgehen sollte. In seinem eigentlichen Terrain, den Fernsehdebatten, war er auffallend passiv und defensiv. Romney gelang es mit der Unterstützung prominenter Republikaner wie Eliott Abrams Gingrichs Bilanz als ein Ronald Reagan Konservativer zu hinterfragen, seine Tätigkeit für die Hypothekenbank Freddie Mac in ein sehr schlechtes Licht zu rücken und die Ernsthaftigkeit von Gingrichs „grandiosen Ideen“, wie beispielsweise eine Mondkolonie zu errichten, anzuzweifeln.
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Clash of Civilizations im Melting-Pot

Seit nun zwei Wochen ist der Kampf der Kulturen wieder zurück in New York. Das letzte Mal ging es um eine Moschee in der Nähe von Ground Zero, wogegen sich der Zorn einiger Opferfamilien und besonders konservativer Kritiker am Islam richtete. Wiederum einen Anlass für Muslime, Kritik am Umgang mit ihnen zu üben, bot die Überwachung eines Großteils der New Yorker Moscheen durch die New Yorker Polizei (NYPD) seit dem 11. September 2001. Offensichtlich wurden flächendeckend muslimische Gemeinden überwacht und auch solche, die offen mit dem FBI und den Behörden zusammenarbeiteten. Das führte Ende letzten Jahres dazu, dass einige Imame und liberale christliche und jüdische Geistliche das traditionelle interreligiöse Frühstück, das von Bürgermeister Bloomberg veranstaltet wird, boykottierten. Bloomberg zeigte sich davon aber nicht beeindruckt, er meinte, dass die Boykotteure ein Chance auf ein großartiges Frühstück verpasst hätten. Wie sich zeigte, standen die Boykotteure auch auf eher verlorenem Posten, denn an dem Frühstück nahmen 52 Geistliche mehr teil als im Jahr zuvor. (mehr…)

Unberechenbare Demokratie

Demokratie ist einfach unberechenbar. Da schien alles schon entschieden und dann sowas. Vor zwei Wochen lag Romney in Umfragen in South Carolina bei knapp 37% und Gingrich bei circa 23%. Doch dann gab Rick Perry auf und empfahl seinen Anhängern die Wahl Gingrichs. Kurz darauf korrigierten die Republikaner in Iowa das Ergebnis der Caucuse und erklärten Santorum zum Sieger. Außer der aggressiven Kampagne gegen Romneys berufliche Vergangenheit bei einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft wurden Vermutungen gestreut, er zahle nur 15% Steuern und schließlich lieferten die Moderatoren Juan Williams und John King Newt Gingrich bei zwei Debatten in der letzten Woche Steilvorlagen, die der brillante Rhetoriker Gingrich aufzunehmen und für sich zu nutzen wusste.
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Mitts Moment

Bereits wenige Minuten nachdem am Dienstagabend die Wahllokale für den Primary in New Hampshire geschlossen waren, stand fest, dass Mitt Romney gewonnen hatte. Kurz darauf trat die gesamte Familie Romney – außer Mitt, sind das seine Frau, Ann, seine fünf Söhne und zahlreiche Enkelkinder – auf die Bühne und Mitt Romney hielt eine Rede, die viele Kommentatoren für seine bisher beste hielten. Darin stellte Mitt Romney klar, dass es im kommenden Wahlkampf um zwei unterschiedliche Visionen von Amerika gehen wird. Während Obama Pessimismus verbreite, stehe er für amerikanischen Optimismus und den Glauben, dass es besser werde. Seine Kampagne baue auf den amerikanischen Idealen von ökonomischer Freiheit und einer klaren und unmissverständlichen Außenpolitik auf, so Romney weiter.

In seiner Rede probierte Romney bereits Slogans für den kommenden Wahlkampf gegen den amtierenden Präsidenten aus. Sollte er wirklich die Nominierung erhalten, dann werden wir wahrscheinlich Sätze wie diesen öfters hören: „Dem Präsidenten gehen die Ideen aus. Jetzt fehlen ihm auch die Ausreden.“

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